2006-05-31

Aus meiner Diss

Problemlage oder Warum Postmoderne ?

Die Industrierevolution, die Entwicklungen in der Kommunikationstechnologie und die Legitimationskrise kann man, ganz allgemein ausgedrückt, als die Hauptgründe einer Herausforderung des politischen Systems gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts angeben. Wir erleben jetzt wieder am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts die Herausforderungen des globalisierten Wirtschaftssystems, der Kommunikationstechnologie und der postmetaphysischen, postindustriellen, komplex - multikulturellen Gesellschaften im politischen und im sozialen Leben. Man beobachtet wichtige Änderungen fast in jedem Bereich des gesellschaftlichen Lebens, in Ökonomie, in Technik...usw. Man redet von einer Informationsrevolution wie damals von einer Industrierevolution. In den postindustriellen Gesellschaften sinkt der relative Anteil lebendiger Arbeit. Wenn es im gentechnischen Bereich gewisse Änderungen verwirklicht werden, dann werden ganz neue ethische Fragen herauskommen, die noch außerhalb unseres Erfahrungshorizonts stehen.
Ähnlich ist es in der gesellschaftlich-politischen Ebene; die weitere Rationalisierung bringt das Mythos der Neuzeit zu Ende. Wenn man die Moderne ganz allgemein mit der Neuzeit gleichsetzt, oder als eine besonders zugespitzte Form dieser Entwicklungen im 19. Jahrhundert versteht, dann stellt die weitere Modernisierung die Moderne unter einem anderen Lichte dar. Also wenn wir den Nationalstaat, oder aber auch andere Entwicklungen im individuellen und im gesellschaftlichen Bereich als ein Endprodukt der Neuzeit verstehen, dann stellen weitere Rationalisierungen sowohl das Individuum, als auch mit ihm im Einklang vorgestellte (nach der platonischen Tradition) Staatsform vor neue Herausforderungen. Auch der Nationalstaat, der seinerzeit eine Antwort auf die damaligen Herausforderungen war, erlebt durch die Weiterentwicklung der Moderne zum Teil einen Transformationsprozess, zum Teil eine anachronische Auferstehung.
Diese gegensätzliche Entwicklungen verraten, meiner Meinung nach, die viel zu viel optimistischen und einheitlichen Zielvorstellungen der Moderne. Mein Problem ist, daß man gesellschaftliche Utopien nicht mehr nach dem platonischen Modell entwerfen kann. Eine imaginierte Objekt-Subjekt Einheit ist diesem Denken eigentümlich. Diese imaginierte Einheit steht in dieser Arbeit unter der psychoanalytischen Lupe. Es ist eine psychologische Annäherung an das Problem der vorgestellten Subjekt-Objekt Einheit in der Moderne. Diese Art vom Denken macht erst gewisse Staatsutopien möglich. Man versucht in der platonischen Tradition -wie Rorty sagen würde- das Öffentliche und das Private zusammenzubringen.

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