2006-06-13

Cafe Wien in Istanbul

Das ist ungerecht!

ich war heute in Cafe Wien (check den Link oben), obwohl ich so was sicher nicht freiwillig machen würde. Eine Freundin wollte hingehen, sie war ja schließlich lange Zeit nicht in Wien und hatte nostalgisches Verhältnis zu Wien und ich bin ihr zuliebe hingegangen. Es war o.k. Noch dazu hat heute genau zu Cafe Wien gepasst, es war regnerisch, trüb und kühl, also wir haben uns kuschelig gefühlt in Cafe Wien. Ich habe eine heiße Schokolade getrunken für 7 YTL, 3,5 Euro ungefähr... Ich finde das für die Türkei teuer. Alles, was kommt, kommt ordentlich. (Obwohl heisse Schokolade um den Preis würde in Wien einbißchen besser kommen.) Die Schnitzel sind sogar größer und besser als in Wien. Und ein Paar mediterrane Sachen hat man sich auch zu eigen gemacht, von denen der normale Durchschnittsösterreicher nur den Namen kennt. Das ist auch o.k. immerhin das ist eine Anpassung, besser als striktes Kulturkonservatismus...(Für das eigentlich Wien berühmt ist) Was mich gestört hat, waren die Preise. Die waren zum Teil noch teurer als in Wien, wo alles, also die Zutaten, Rohstoffe, im Prinzip hier billiger sind. Das heißt, das Geschäft in Wien muß selbst mehr zahlen für ein Produkt. (Sprung auf ein anderes Thema)
Ich hasse hier diese künstliche Anpassung an europäische Preise... Ich will wissen, was sind die Produktkosten hier zum Vergleich zu Europa oder zu Wien und was ist der Gewinn? Ich bin mir sicher, hier macht man mehr Gewinn... (Auch in Bebek war ich mit 2 Kaffehäusern nicht zufrieden.)
Dazu kommt nocht die Hierarchie hier, wenn ein Ort nicht genug teuer ist, kommt die blödeste Bourgeoisie aller "emerging countries" Bourgeosien nicht her... (es ist die türkische Bourgeoisie natürlich, die einmal sich selbst und einmal seine Ex-mitbürger ausbeuten lässt)
Ehrlich gesagt geht mir das Ganze auf die Nerven... Wien und Österreich sind hier mit ihrer Hochkultur vertreten, daß ja im Prinzip nur eine Vermarktungsstrategie der kleinbürgerlichen Nationalstaaten geworden ist, nachdem die Monarchien in manchen Ländern ( nicht in allen) ein tragisches Ende gefunden haben... Aber in vielen außereuropäischen Bourgeosien spielt natürlich auch die Blödheit der Ilusionen vom 19.Jahrhundert auch eine Rolle...(das ist ein zu weites Thema...)
Und die Türkei ist in Wien mit den arbeitslosgewordenen Bauern ( kein Wunder nachdem nachhaltigen (!) Unentwicklungspolitik von IMF) vertreten, die von dem kleinbürgerlichen Volk dort als die Türkei schlechthin verstanden wird. Das ist ungerecht!
Worst of Turkey gegen Best of Wien... Das ist ungerecht... Das machen auch andere europäische Länder... Aber da spielt die Türkei so gerne mit, so daß es mir kein Wort übrig bleibt...
Wie ist es, wenn wir den Spieß mal umkehren? Best of Turkey gegen Worst of Europe... Es wäre auch nicht gerecht...Ich meine nur mal aus Spaß, aus einem gemeinen Spaß heraus... Just one moment...
Das würde heißen, daß es hier überall Würstelstände gäbe, die bei weitem nicht so gut sind, wie im Inland selbst und in Wien zwei bis drei teure Restaurants mit feiner Istanbulküche geben würde... Das wird nicht der Fall sein, denn die Strukturen sind anders...
Istanbulküche ist noch immer nicht wirklich vertreten in Wien.

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