2006-09-17

"Being too clever, by half"; The Pope


Gestern habe ich mir die Zeitungen noch angeschaut, um zu lesen, was man außerhalb in Österreich und in Bayern über den deutschen Papst geschrieben hat.
Ich habe selber auch später gespürt, daß der frühere Papst eigentlich mir sympathischer war, obwohl ich normalerweise keine Sympathie oder Antipathie für solche Leute hege... Aber bei Ratzinger ist es anders...
Denn er steht für mich auch in der Linie vom fundemantalistischem, deutschsprachigen Gedankengut...Er ist ein Ideologe von einem Selbstverständnis, das nicht viel entfernt ist vom Nationalsozialismus. "Wir sind allen anderen überlegen, den Juden insbesondere, den Protestanten und natürlich den barbarischen Moslems" Das katholische, provinzielle Ich hat viele narzistische Kränkungen in der Geschichte dulden müssen. Zwei verlorene Weltkriege gehen ja nicht zufällig zurück auf das Nicht Mithalten Können mit der Moderne... Und dann die Krise... Das Nachholen mit Hitler und dann wieder lange Zeit Angst vor Rußland... Und jetzt darf man wieder vorlaut sein... Jetzt hat man wieder ein Ziel... Mit der Französischen Aufklärung war die katholische Kirche nie glücklich, sowie man aus dem Text von Ratzinger herauslesen kann.
Endlich wieder ein Ventil wo man die hohe geistige Aggression loswerden kann... In der westlichen Welt kommen nur noch gewisse Gruppen an die primitiven Strukturen der emotionalen Religiösität heran, dazu zählen leider auch diese fundamentalistischen, deutschsprachigen Gruppen. Das heißt nur die sind noch fast soo primitiv wie die moslemischen Fundamentalisten...Es gibt natürlicch auch schlimme Gruppen von der evangelischen Kirche... Aber das deutschsprachige Millieu war auch das Milleu wo Hitler entstanden ist. Unglaublich ehrgeizig, unzufrieden mit der eigenen Rückständigkeit, man will gleich überlegen sein den allen anderen gegenüber... Das ist aber auch in jeder gesellschaftlichen Verarmung der Fall... Die Armut erzeugt Aggression gegenüber anderen Schichten... Und die Religion ist ein super Deckmantel für die primitivsten Gefühle... So war das auch bei Nationalsozialismus.... Das arme Volk hat die reichen Juden getötet und das hat gewisse ökonomische Erleichterungen gebracht...
Nicht umsonsten hat ein Kind aus der Arbeiterschichte die Überlegenheit der deutschen gegenüber Semiten betonen und ideologisch erfinden müssen... Man braucht nur die Kunst anzuschauen in der Ära des Nazi Regimes...
Momentan ist die ökonomische Lage weder in Bayern noch in Österreich schlecht. Man hat aber weder die Tage vor dem zweiten Weltkrieg noch den zweiten Weltkrieg vergessen. Insbesondere die Rechten waren jahrelang mit der sozialistischen Regierung nicht ganz zufrieden. Vor allem ihr eigenes Selbstbild war gekränkt durch die verheerende Niederlage und die nachherkommmende moralische Beurteilung durch die ganze Welt. Sogar bei Waldheim war niemandem genug peinlich daß er Staatspräsident sein durfte. Denn viele dachten daß sie eigentlich nicht was falsches gemacht haben. Nur das Beste für ihr Land. So war es aber nicht. An der Tötung von 6 Millionen Juden teilgenommen zu haben, ist für viele nicht wirklich peinlich. Denn es war ja gut für das Volk. Das Volk war arm, ungebildet, rückständig. Die Juden waren reich und intelligent. Und von diesem Kampf haben viele profitiert. Die katholische Kirche durfte wieder mal seine hohe Aggressionspotential entladen... Das wirklich Schlimme war für sie den Kampf verloren zu haben. Viele haben mir gesagt, daß es mit Juden wurscht wäre, wenn sie den Kampf gewonnen hätten. Das Problem waren nicht die Juden, sondern England und Amerika... Frankreich hat man auch besetzt gehabt und eigentlich hätte man in Europa unter deutscher Herrschaft super leben können...(:-)!!!) So denken viele ehemalige deutsche Rechte....
Für das man sich eigentlich bei dieser Zeit schämen sollte...
Ratzinger steht für das neue Bewußtsein der deutschen Rechten. Deswegen auch der fröhliche Flirt mit dem evangelischen Merkel... Aber deswegen auch das Bedürfnis sich selbst als zivilisiert und die anderen als rückständig darzustellen. Als ob der Papst sagen wollte, "Sogar wir, die katholische Kirche, die mit der Moderne nichts anfangen konnte, die mit der Französischen Aufklärung nie klar gekommen ist, die die jüdische Aufklärung, die Frauenbewegung und alle Bewegungen, die nicht für Status Quo waren, bekämpft haben, sogar wir sind nun auf der Seite der "Vernunft" gegen die Moslems..."
Pflanzt Deine Großmutter Ratzinger!

In Guardian vom 16.09.2006 steht einen netten Artikel von Melanie McDonagh mit dem Titel
"The Pope's message of greater dialogue achieves the opposite" Und der erste Satz ist schon ein Volltreffer: "There is, I am afraid, such a thing as being too clever by half,..." Aber das ist auch genau das Gefühl, das ich schon vorher hatte, wenn ich den ersten Artikel von ihm gelesen habe. Furchtbar ehrgeizig; mit dem Bewußtsein des als rückständig Geltenden, ein noch übertriebenes Ehrgeiz als sonst und dann kommt wieder das Urprimitive und das Archaische, das man zu verstecken, zu adeligen versucht, zum Vorschein...
RUDOLF WALTHER von TAZ hat die Argumente von Ratzinger als "Grobzeug" bezeichnet, was auch meiner Meinung nach ein Volltreffer ist.

"Soll derlei Grobzeug die Basis abgeben für die eingangs beschworene Absicht zum Dialog zwischen Kulturen und Religionen?"

Ein anderer Titel aus Guardian

* "After a quiet first year as pontiff, God's Rottweiler shows his teeth"

Pope believes his church should take tougher line on Islam

John Hooper in Rome
Saturday September 16, 2006
Guardian

* "Bei seiner Islamkritik zitiert der Papst den falschen Gewährsmann. Der byzantinische Kaiser Manuel II. interessierte sich mehr für Philosophie als für Theologie, und er war mit den Türken verbündet"

VON RALPH BOLLMANN
taz Nr. 8076 vom 16.9.2006, Seite 18, 161 Kommentar RALPH BOLLMANN

taz muss sein: Was ist Ihnen die Internetausgabe der taz wert? Sie helfen uns, wenn Sie diesen Betrag überweisen auf: taz-Verlag Berlin, Postbank Berlin (BLZ 100 100 10), Konto-Nr. 39316-106

*Die Vernunft für sich gepachtet
Mit seinen Äußerungen zum Islam hat Papst Benedikt in Regensburg eine theologische Brandrede gehalten. Zum Glück stehen auf säkularer Seite schon die Feuerlöscher bereit
taz Nr. 8076 vom 16.9.2006, Seite 11, 241 Kommentar RUDOLF WALTHER, taz-Debatte

taz muss sein: Was ist Ihnen die Internetausgabe der taz wert? Sie helfen uns, wenn Sie diesen Betrag überweisen auf: taz-Verlag Berlin, Postbank Berlin (BLZ 100 100 10), Konto-Nr. 39316-106

Hiç yorum yok: