8. Mai 2007, 09:23, NZZ Online
Eklat an der Oerlikon-Spitze
Limberger verlässt das Unternehmen - Uwe Krüger wird neuer CEO
Wenige Stunden vor der Generalversammlung am Dienstag hat der Verwaltungsrat des Oerlikon-Konzerns den sofortigen Rücktritt von Firmenchef Thomas Limberger angekündigt. Uwe Krüger soll neuer CEO werden. Der Abgang Limbergers kommt nach den öffentlich ausgetragenen Differenzen mit VR-Präsident Georg Stumpf nicht überraschend.
uhg. Abrupter Chefwechsel beim österreichisch kontrollierten Technologiekonzern OC Oerlikon: Thomas Limberger wird mit sofortiger Wirkung von Uwe Krüger als Konzernchef abgelöst, wie das Unternehmen in der Nacht zum Dienstag mitteilte. Limberger verlasse das Unternehmen «aus eigenem und freiem Entschluss im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat» mit sofortiger Wirkung, heisst es in der Mitteilung. Er werde der Oerlikon-Gruppe aber über einen Beratervertrag verbunden bleiben.
Starke Differenzen mit Georg Stumpf
Trotz der Beschwichtigung im Communiqué macht die Aktion den Eindruck, dass sich Verwaltungsratspräsident Georg Stumpf durchgesetzt und die Differenzen zwischen ihm und Limberger energisch bereinigt hat. Der Österreicher Stumpf hatte erst vor wenigen Wochen gegenüber der «Bilanz» Limberger mehr oder weniger direkt als einen Lügner bezeichnet. Dieser habe nicht freiwillig auf sein Optionenpaket verzichtet, sondern sei von ihm dazu gezwungen worden.
Zudem sagte der erst 32-jährige Stumpf, der zusammen mit seinem Landsmann Ronny Pecik über die Beteiligungsgesellschaft Victory Oerlikon erworben hatte, dass er die exorbitanten Reisespesen seines CEO von Buchprüfern röntgen lasse und eigenhändig zu teure Mietverträge für die US-Niederlassung in New York wieder gekündigt habe.
Angeblich freiwilliger Verzicht
Über den Abgang Limbergers war bereits Ende März spekuliert worden. Zunächst wurde damals bekannt, dass der Oerlikon-Chef 26 Millionen Franken erhalte. Als daraufhin ein Sturm der Entrüstung aufkam, stärkte ihm der Verwaltungsrat zunächst den Rücken. Limberger krebste daraufhin allerdings zurück und verzichtete –angeblich freiwillig – auf einen grossen Teil seiner Vergütungen. Die für drei Jahre gesperrten 40'000 Optionen gab er zurück und erhielt dafür 3000 Aktien. Damit verdiente Limberger statt 26 Millionen Franken noch 7,7 Millionen Franken.
Der neue Konzernchef Uwe Krüger ist erst am vergangenen 1. März vom deutschen Baukonzern Hochtief als Chief Operating Officer zu OC Oerlikon gestossen. Der 42-jährige Krüger sei für den Posten des Konzernchefs hoch qualifiziert und habe das Unternehmen bereits in allen Segmenten kennen gelernt, wird Verwaltungsratspräsident Georg Stumpf in der Mitteilung zitiert.
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